Um Pflege und Betreuung für die Zukunft zu sichern, ist eine Reform des Systems unvermeidbar. Es geht um Finanzierung ebenso wie um die Sicherstellung der Qualität. Ziel ist eine Struktur, die menschlich, finanzierbar und fit für die Zukunft ist.

Im Zentrum aller Diskussionen steht der Mensch. Pflegebedürftige und ihre Familien benötigen in dieser Phase des Lebens finanzielle, soziale und strukturelle Sicherheit und Unterstützung durch die Gesellschaft. Eine Reform muss darauf hinauslaufen, dass jeder – unabhängig vom Einkommen, Wohnort oder Herkunft – auf seine Bedürfnisse abgestimmte Betreuung erhält, die seine Lebensqualität verbessert.

Die Ausgaben für Pflege durch die öffentliche Hand sind im internationalen Vergleich sehr moderat, der Rückfluss durch die Steuern und Abgaben und die Wirtschaftsimpulse beträchtlich. Die skandinavischen Länder mit vorbildlichen Pflege- und Betreuungsstrukturen finanzieren diese ausschließlich über Steuern und ohne Pflegeversicherung.

Die Nachfrage nach Pflege wird sich massiv erhöhen, wodurch eine vernünftige Bedarfsplanung, der effiziente Einsatz der öffentlichen Mittel und die Nutzung aller kostendämpfenden Maßnahmen unumgänglich werden. Die gegenwärtige Struktur ist teuer, ineffizient und nicht bedarfsgerecht.

 

  • Die gesellschaftlichen Veränderungen bei der Pflege berücksichtigen.

Das Pflegekonzept der Zukunft muss die steigende Lebenserwartung, die Zunahme von Singlehaushalten und den Rückgang der Pflege zuhause durch die steigende Frauenerwerbsquote berücksichtigen. Die Zeit drängt, denn 2030 sind 25%. 2050 bereits 28% der Bevölkerung über 65 Jahre alt!

  • Die Restrukturierung des Pflegesystems ist im Interessesse aller.

Pflege darf nicht von der finanziellen Lage der Betroffenen und ihrer Angehörigen abhängen. Sie ist wie Gesundheit als allgemeines soziales Risiko anzusehen, für das die Gesellschaft als Ganzes sorgt. Eine Steuerfinanzierung ist auch wirtschaftlich sinnvoll: Von Investitionen in die Pflege und deren Professionalisierung profitieren alle, denn der Pflegebereich gibt der Wirtschaft Impulse und den Menschen Arbeit.

  • „Mobil vor stationär“ bildet den Angelpunkt einer Pflegereform.

Die österreichische Pflegelandschaft soll flächendeckend dreistufig strukturiert sein:

1. Mobile Dienste und teilstationäre Angebote für frühzeitige, flexible, bedarfsorientierte Betreuung

2. Alternative Wohnformen wie Mehrgenerationen-Wohnen, Wohngemeinschaften, Cohousing, betreubares Wohnen für Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf

3. Pflegeheime für Fälle mit hohem medizinischen Betreuungsbedarf

  • Pflegende Angehörige und 24-Stundenpflege.

Die Hauptlast der Pflege tragen in Österreich die Angehörigen, und zwar quasi ehrenamtlich. Ohne deren unbezahlten Leistungen würde das Pflegesystem kollabieren. Daher muss der informelle Sektor vorerst stärker unterstützt werden. Für die öffentliche Hand ist die Pflege zuhause im Vergleich zu Pflegeheimen günstig und entspricht auch den Wünschen der Betroffenen.

  • Das Pflegegeld in den Stufen 1 -4 muss erhöht werden.

Um die kostengünstige Versorgung in der eigenen Wohnung zu fördern, muss das Pflegegeld der Stufen 1 – 4 erhöht werden. Demenzielle Erkrankungen müssen differenzierter als bisher in der Bewertung berücksichtigt werden.

  • Personal für „Pflege mit Qualität“ gewinnen.

Neben einem durchlässigen Ausbildungssystem sind entsprechende Bezahlung und die gesellschaftliche Anerkennung Grundvoraussetzung, um den Pflegeberuf attraktiv zu machen.

  • Prävention und geriatrische Rehabilitation

Um die Pflegebedürftigkeit möglichst hinauszuzögern, muss bereits von Jugend an gesundes Altern durch Vorbeugungsmaßnahmen wie Sport, Ernährung etc. unterstützt werden. Nach einer Erkrankung im Alter bedarf es dann der geriatrischen Rehabilitation, um mögliche negative Folgen zu minimieren.

  • Ausbau der mobilen und stationären Palliativ- und Hospizversorgung.

Ein möglichst schmerzfreies Sterben in Würde benötigt eine entsprechende stationäre und mobile Infrastruktur. Für ein Sterben in Würde nehmen Hospizwesen und mobile und stationäre Palliativversorgung eine Schlüsselstellung ein.

  • Förderung von Non Profit-Organisationen als Anbieter.

Die Qualität der Pflege und Betreuung scheint am besten gewährleistet, wenn nicht auf Profit ausgerichtete Träger der Versorgung übernehmen. Gewinnorientierung treibt entweder die Kosten (für die öffentliche Hand) in die Höhe oder geht auf Kosten des Personals und der Qualität der Leistungen. Internationale Studien belegen, dass profitorientierte Pflegeheime schlechtere Qualität bieten als nicht-profitorientierte.